Leben und Alltag im Regenwald
Bericht über das Leben einer Missionarsfrau
Passauer Neue Presse
Die Seele geht zu Fuß
Der drittgrößte Inselstaat der Welt liegt im Pazifik und birgt kulturell wie kulinarisch Überraschungen für den gemeinen Mitteleuropäer, wie die Deutsche Gabriele Cavelius in ihrem Buch erzählt. In den 70er und 80er Jahren waren die Regenwälder in Papua Neuguinea noch kaum erforscht. Umso beeindruckender, dass sich die junge Frau aus dem kalten Deutschland in die Tropen aufmachte. Das Leben in einer Missionarsstation beschreibt sie einfühlsam und lebendig. Völlig neue Eindrücke prasselten auf die Erlenbacherin nieder. Sie erlebte etwa zum ersten Mal in ihrem Leben Weißenhass. Ihre beiden Kinder wuchsen im Dschungel auf und sie entwickelte Fähigkeiten, von denen sie nicht wusste, dass sie sie hat, wie Nähen oder Wunden versorgen. Sehr bildhaft nimmt Cavelius den Leser mit in eine Welt voller Riten, die zwischen Schauder und Komik eines nicht vermissen lassen: die Lust auf Papua Neuguinea. Durchaus kritisch setzt sich die Autorin mit der Missionarsarbeit auseinander und spannt einen breiten Bogen von persönlichen Eindrücken über Beobachtungen religiöser Gepflogenheiten bis zu kulturellen Aha-Erlebnissen. Ein schnelles Buch, das durchdacht geschrieben wurde und polynesische Weisheiten transportiert: „Die Seele geht zu Fuß“.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ameisenplage im Regenwald
Wie kann man nur einen solch unpassenden Titel auswählen: "Todeszauber, Busencheck, beheizte Klaviere und eine christliche Ohrfeige" steht unter der Überschrift "Papua Neuguinea - Leben im Regenwald". Eine junge Familie aus Franken zieht in den siebziger Jahren als Missionare auf die tropische Insel, Gabriele Cavelius erzählt von dieser Zeit. Und sie tut das erstaunlich gut. Jedenfalls weit besser, als der Titel befürchten lässt. Schon Vater und Großvater ihres Mannes waren Missionare, Cavelius freut sich auf die Zeit im Regenwald, hält sich für informiert und gut vorbereitet. Um hinterher den Kopf darüber zu schütteln, wie naiv sie war. Doch sie kann gut beobachten, relativiert zusehends ihre eigene Rolle.
Viel erfährt der Leser vom Alltag einer Außenstation, dem Leben in einem abgelegenen Dorf. Das Missionarische bleibt im Hintergrund, es geht mehr um die Bewältigung des Alltags, das Kennenlernen von Sprache, Gemüsen und den Einheimischen. Um Ameisenplagen, Brotbacken und Krankheiten. Stark malariakrank reist die Familie nach Deutschland, um nach ein paar Jahren, nun mit zwei Kindern, in die Tropen zurückzukehren. Nun aber leitet sie ein Guesthouse, führt Touristen. Doch schließlich kehrt die Familie mit ihren Kindern ganz zurück nach Deutschland. Cavelius lässt nicht aus, wie schwer ihnen das Wiedereingewöhnen in die westliche Zivilisation fällt.
Manches wird zu ausführlich erzählt, vor allem die eher langweiligen, praktischen Dinge. Aber die Schilderung von archaischen Bräuchen wie dem Todeszauber-Tanzfest sowie der Veränderung der abgeschiedenen Dörfer durch die Gegenwart der Weißen gelingen der Autorin sehr gut. Ein Buch, das dem Auswandern die Romantik nimmt - aber viel von der Faszination vermittelt, die das Leben in einer völlig fremden Kultur bietet.
Buchbesprechung der Welt am Sonntag
Auf christlicher Mission in Papua-Neuguinea
Zwischen 1884 und 1919 hieß der Nordosten Neuguineas Kaiser-Wilhelms-Land. Man sollte das wissen, bevor man Gabriele Cavelius´ Erfahrungsbericht "Papua Neuguinea - Leben im Regenwald" liest, denn die Fränkin, die als junge Frau zu Beginn der 70er-Jahre mit ihrem Mann eine Missionsstation in Begesin mitten im Dschungel übernahm, erwähnt es nicht. Überhaupt spielt das koloniale Erbe nur eine geringe Rolle, denn es geht um konkrete Alltagserfahrungen einer christlichen Weißen in einem Land, in dem noch Ahnenkult herrscht.
Sie erzählt, wie Initiationsrituale heranwachsender Männer oder ein Todeszauber-Tanzfest sich mit den Pflichten einer Missionsfrau, zu denen bald die medizinische Versorgung von Leprakranken gehört, kreuzen. Wie Zurückhaltung der Einheimischen und Zweifel am Sinn der Mission Schatten auf das Südseeglück werfen. Bis die Autorin bei einem zweiten Aufenthalt in den Achtzigern mit der Leitung eines "Lutheran Guest House" und dem Aufwachsen ihrer beiden Kinder Papua-Neuguinea als "Zuhause" definiert, das sie schließlich 1988 schweren Herzens verlässt.
Einfühlsam wirft die Autorin einen Blick auf ein Südseeparadies, das bis zum Ersten Weltkrieg deutsch war, dessen stete Veränderungen sie mit Distanz und Bedauern konstatiert. Der wachsende Groll gegen Weiße und der schleichende Niedergang von reicher Sprache und alter Kultur der Einheimischen machen das Leben dort für alle weniger lebenswert. Die deutschen Kolonialherren lockte einst die Kopra nach Neuguinea, nach der Unabhängigkeit des Staates Papua-Neuguinea 1975 kamen Japaner und holzten Wälder ab. Die Zeit geht, die Probleme bleiben.
Buchbesprechung aus "Mittendrin"
Endlich genügend Zeit für meine Hobbys
Gabriele Cavelius schreibt ein Buch
Gabriele Cavelius (58) aus Erlenbach hat kein Problem damit, die freie Zeit, die ihrem interessanten Arbeitsleben folgt, mit neuen Inhalten zu füllen:
Sie schrieb ein Buch über ihr Leben in Papua Neuguinea: "Ich habe auch etwas zu erzählen!"
Bei jedem oberflächlichen Gespräch, bei jeder völlig überflüssigen Diskussion war es Gabriele Cavelius bewusst: "Ich habe auch etwas zu erzählen!"
"Mir galt in meiner Jugend alles als Literatur." Geboren wurde die Schriftstellerin 1949 in Ursprüngen (Unterfranken), wo ihr Vater Polizeidienststellenleiter war. Ihre Kindheit verbrachte sie in Erlenbach, in einem christlich geprägten Elternhaus. Später besuchte sie das Deutsche Gymnasium in Aschaffenburg. In ihrer Freizeit spielte sie Geige und verschlang alles, was lesbar schien: Liebesromane aus der Leihbücherei, Jerry Cotton-Hefte, Perl S. Bück (Die Frau des Missionars) oder Thomas Mann.
Ihre Ausbildung als Religionslehrerin absolvierte sie in Neuendettelsau, wo sie auch ihren ersten Ehemann kennenlernte. In ihrem Buch schreibt Gabriele Cavelius über diese Zeit: "Es fällt mir heute schwer, mir vorzustellen, wie unglaublich naiv und unfertig ich damals war. Schon bei meiner Heirat mit Michael war es keine Frage, dass unsere Zukunft in Neuguinea lag - etwas anderes war gar nicht denkbar."
Licht und Schatten über dem Paradies. Gabriele Cavelius beschreibt in ihrem Buch ihr Leben als mit ausgereiste Ehefrau eines Mitarbeiters des evangelisch-lutherischen Missionswerks Bayern. Sie erzählt von ihrem insgesamt neunjährigen Aufenthalt, wovon sie drei Jahre in einer Außenstation im Busch unter sehr einfachen Bedingungen lebte. Die restlichen sechs Jahre verbrachte sie mit ihrer Familie in Madang, wo sie drei Jahre das Lutheran Guest House leitete. Sie berichtet auch über die Veränderungen im Lande und die sich stetig verschärfende Sicherheitslage. Dabei beschreibt sie ihr Leben mit einem durchaus kritischen Abstand zum Thema Mission.
"Worum es mir ging, war, dieses wunderbare Land mit seinen sinnlichen Farben und Gerüchen zu schildern - mit all seinen Licht- und Schattenseiten, die ich erlebt habe."
"Schreiben ist für mich ein Ausgleich." Die sozial sehr engagierte Frau hat gemeinsam mit ihrem Ehemann Rolf viele Jahre ihren demenzkranken Vater betreut. Dennoch geht Gabriele Cavelius das Thema "Älterwerden" sehr gelassen an. Gemeinsam mit ihrem Ehemann möchte sie auch den kommenden Lebensabschnitt sinnvoll und interessant gestalten. Beide haben eine Vorliebe für die mediterrane Küche, lieben klassische, gute Musik, die Gestaltung des Gartens und den Aufenthalt in der freien Natur.
Außerdem gehören die beiden zu einer Truppe von ehrenamtlichen Helfern, die Essen auf Rädern verteilt.
Und dann hat Gabriele Cavelius auch noch einen Zukunftstraum: "Ich möchte auf jeden Fall weiter schreiben, z.B. das Leben meiner Mutter in einem Roman schildern und … ich möchte wieder einen Hund halten. Dafür wäre ich nach meinem Zugvogelleben sogar noch einmal bereit, umzuziehen.
Todeszauber und andere Eindrücke von der pazifischen Insel
Main Echo
"Mama, planti tumas waitskin!" – "Mama, zu viele Weiße!"
Gabriele Cavelius aus Erlenbach schrieb eine "Liebeserklärung an Papua Neuguinea und den Regenwald"
"Ich möchte das Land so in Erinnerung behalten, wie es war", sagt Gabriele Cavelius, wenn man sie fragt, ob es sie nach ihrer Rückkehr von Papua Neuguinea im Jahr 1988 nach Deutschland noch einmal zur zweitgrößten Insel der Welt zwischen Korallensee und Südpazifik gezogen hat. Die Erinnerung an die Zeit vor gut 20 Jahren aber ist offensichtlich immer noch sehr wach. Darauf deuten nicht nur die Schnitzereien in der Wohnung in der Schillerstraße hin, das beweist auch ein Buch, das Gabriele Cavelius geschrieben hat und das seit wenigen Tagen in den Buchhandlungen ausliegt. "Papua Neuguinea – Leben im Regenwald" heißt es, und auf gut 200 Seiten beschreibt die Autorin darin, was ihr während zweier Aufenthalte – 1971 bis 1974 und 1982 bis 1988 – unvergesslich geblieben ist. Und es ist nicht wenig, was sie über die Zeit zu erzählen hat, die sie mit ihrem Mann Michael im Auftrag der Mission Eine Welt, einer Einrichtung der evangelisch-lutherischen Kirche, zunächst mitten im Busch und dann – beim zweiten Mal – in der Nähe der Hafenstadt Madang an der Bismarcksee erlebte. Ganz wichtig: Ihre zwei Kinder sind auf der Insel groß geworden, der 1970 geborene Amos und Janna. Um sie 1975 gesund auf die Welt zu bringen, kehrte Gabriele Cavelius bei ersten Mal vorzeitig nach Deutschland zurück.
Sehr kurzweilig, sehr unterhaltsam und bildhaft, aber durchaus auch mit kritischer Distanz zu sich selbst und vor allem zu den Folgen von Missionierung schildert sie das Leben mitten im Regenwald – "immer der Schweißfilm auf dem Körper" -, schildert anschaulich, wie sie Knall auf Fall Arbeiten übernehmen musste, von denen sie zuvor keine Ahnung hatte: Die Frau eines Missionars muss beispielsweise einheimische Frauen im Nähen unterrichten, auch wenn sie zuvor gar nicht genäht hat, sie ist als Krankenschwester gefragt, setzt Spritzen, behandelt Leprakranke und holt Kinder auf die Welt. Dass sie selbst von Malariaanfällen heimgesucht wird, dass ein Einheimischer namens Orkap zu ihrem "Lieblingsfeind" wird, dass sie erlebt, wie Sanguma, der Todeszauber, zelebriert wird und wie ein japanisches Unternehmen den Urwald rücksichtslos rodet, um Holzspäne zu gewinnen – es ist tatsächlich ein umfassenden Bild des Lebens auf Papua Neuguinea, ein Bild, das nicht nur die schönen Seiten zeigt, sondern auch die Gefahren und Zerstörungen, ohne in das zu verfallen, was der Familie bei ihren Urlaubsaufenthalten in Deutschland und nach ihrer Rückkehr so sehr auffiel: in die typisch deutsche Jammerhaltung und Kritikasterei.
Gabriele Cavelius wurde in Urspringen, nordöstlich von Marktheidenfeld gelegen, geboren, wuchs in Erlenbach auf, machte am Deutschen Gymnasium Aschaffenburg ihr Abitur, ließ sich zur Religionspädagogin ausbilden, bevor sie mit ihrem Mann nach Papua Neuguinea aufbrach. Nach ihrer zweiten Rückkehr nach Deutschland – die Ehe mit ihrem ersten Mann war nach dieser Rückkehr zu Ende – arbeitete sie als Sozialpädagogin in Landsberg am Lech, wo sie ihren zweiten Mann kennen lernte, mit dem sie vor wenigen Jahren nach Erlenbach zog, um dort ihren schwerkranken Vater bis zu dessen Tod zu pflegen. In den letzten vier Monaten seines Lebens machte sie sich daran, ihr Manuskript über die Zeit in der Papua Neuguinea fertig zu stellen. Hartnäckigkeit und Durchsetzungsfähigkeit hat sie in all den Jahren gelernt, sonst hätte sie wohl aufgegeben, als zahllose Verlage Absagen schickten – mit manchmal höchst fragwürdigen "Erklärungen".
Heute liegt das Buch vor, und wer erfahren will, wie in den 80er Jahren die Kriminalität auf der Insel fast explodierte, ob Tok Pisin oder Graged die schönere Sprache auf Papua Neuguinea ist, warum ein Kinosterben einsetzte, was Fliegende Hunde mit den Papayas zu tun haben, der wird auf den 214 Seiten genau so gut bedient wie der, der sich dafür interessiert, wie Europäer in einem solchen Land zurecht kommen und wie schwer es ihnen fällt, aus dieser "neuen Heimat" wieder in die alte zurückzukehren. Ihr damals vierjähriger Sohn Amos war jedenfalls ganz erschrocken, als sie 1974 vom Flughafen Frankfurt nach Erlenbach fuhren: "Mama, planti tumas waitskin!" – "Mama, zu viele Weiße!" Es war ein Risiko, aber heute ist sich Gabriele Cavelius ganz sicher, auch wenn sie auf ihre Kinder blickt: Das Risiko hat sich gelohnt und sie möchte auf diese Erfahrungen auf keinen Fall verzichten.
Papua Neuguinea - Leben im Regenwald
Todeszauber, Busencheck, beheizte Klaviere und eine christliche Ohrfeige.
Von Gabriele Cavelius. Verlag interconnections, 214 Seiten, 17,90 Euro





